
„Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
(1. Könige 19,7)
Die Sommer- und Ferienzeit neigt sich ihrem Ende entgegen. Langsam richtet sich der Blick wieder auf den Alltag und auf die Aufgaben, die vor uns liegen.
Auch unsere Kirchgemeinde steht vor Veränderungen. Vertraute Menschen gehen neue Wege. Die Suche nach einem neuen Kirchenvorstand beschäftigt uns. Manche fragen sich, wie es weitergehen wird. Da sind Traurigkeit, Unsicherheit und vielleicht auch Enttäuschung.
Wenn ich auf unsere Situation schaue, muss ich an Elia denken. Nachdem er lange gekämpft und sich eingesetzt hatte, war seine Kraft erschöpft. Er zog sich in die Wüste zurück, setzte sich unter den Rotem-Strauch – einen unscheinbaren Wüstenstrauch, der gerade genug Schatten spendet, um auszuruhen – und dort sagte er: „Es ist genug.“
Vielleicht kennen auch wir solche Momente. Man hat Verantwortung getragen, sich engagiert und vieles mitgetragen. Und irgendwann wird man müde.
Bemerkenswert ist, wie Gott Elia begegnet. Er macht ihm keine Vorwürfe. Er fordert keine neuen Leistungen. Stattdessen lässt er ihn schlafen. Ein Engel bringt ihm Brot und Wasser. Erst danach spricht Gott die Worte:
„Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
Gott stärkt Elia, bevor er ihn weiterführt. Möglicherweise gilt das auch für uns. Die Kirche lebt nicht zuerst von ihrer eigenen Kraft. Sie lebt davon, dass Gott ihr immer wieder neue Kraft schenkt. Darum müssen wir unsere Sorgen nicht verdrängen. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott seine Kirche nicht verlässt.
Vielleicht ist die wichtigste Frage für unsere Gemeinde im Moment nicht: Was wird aus uns? Sondern: Wohin geht Gott mit uns?
Der Herr stärkte Elia nicht, damit er unter dem Strauch sitzen bleibt. Er stärkte ihn für den nächsten Wegabschnitt. Und derselbe Gott ging ihm bereits voraus. So dürfen auch wir auf die kommende Zeit schauen. Nicht weil wir schon alle Antworten hätten, sondern weil Gott bereits unterwegs ist. Der Weg ist noch nicht zu Ende. Gott geht voran.
Ihr/Euer Pfarrer Adam Balcar
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