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Reich sein bei Gott?

Predigt zum Erntedankfest am 13.09.2015 in Mittelherwigsdorf

„Seht zu und hütet euch vor aller Habgier, denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat…“

Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Predigttext Lukas 12, 15-21

Bei Gott reich zu sein?

Dass wir das werden, das ist unser Traum. Der Reichtum gibt Schönheit, Sicherheit. Wir würden uns ruhiges Leben einrichten. Wir sind schon bei Gott reich, aber das muss man glauben.

Erntedank 2015 Wir sehen all die schönen Gaben heute in unserer Kirche. Und wir freuen uns über sie. So eine wunderschöne und opulente Kirche! So eine zum Erntedankfest geschmückte Kirche habe ich noch nie im Leben gesehen. Alle Achtung!

Wir wollen im Glauben befestigt werden, dass es etwas mit Himmel und mit Ewigkeit zu tun hat, dass es nicht nur Gaben der Erde sind, die verwelken, damit unsere Freude stabil bleibt, damit wir keine Angst haben müssen, damit wir ab nun wieder ein ruhiges Leben führen können.

Wenn ich meine Urgroßmutter, die mich leider schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts verlassen hat, fragen würde, was das heißt, bei Gott reich zu sein, wie dieser Reichtum aussieht, dann würde sie ganz schnell antworten: „Lieber Adam, das ist doch klar: Wir haben Christus im Himmel. Er ist für uns gestorben und er nimmt auch uns zu sich, nicht um unserer, sondern um seiner Werke und Verdienste willen…“ Ich würde ihr, glaube ich, antworten: „Liebe Omi, das glaube ich dir, aber was bringt mir das, dass ich ihn dort habe und dass er mich zu sich holt?

O: „Mein lieber Adam, das ist doch reine Gnade…“

A: „Das glaube ich dir, aber wird mir das auch Spaß machen?“

O: „Aber sicher. Alles wird neu geschaffen und dir zur Verfügung stellen…“

A: „Ja, aber was muss davor passieren? Warum dauert das so lange? Vom Reichtum kann ich im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht sprechen. Ich bekomme noch kein regelmäßiges Taschengeld, wir leben im Ostblock, nach Bayern dürfen wir nicht ausreisen, von Amerika können wir hier nur träumen… Was bringt mir das, dass ich schon jetzt beim Gott reich bin? Dein Glaube macht mich etwas ungeduldig, muss ich sagen. Selbst das, was ich jetzt bekomme, an Freizeit, und was ich an Abenteuer, an Spaß erlebe, kriege ich nur im beschränkten Maße, gezügelt. Ständig muss man bitten, fragen, wenn ich etwas will. Und vor allem ständig muss ich meine besten Pläne ändern. Und gerade jetzt langweile ich mich, Oma. Das Lesen macht mir keinen Spaß, und die Cousins von der Tante Ruth kommen erst morgen… Was soll ich machen?“

O: „Aber Adam, du kannst alles tun, was du willst, solange du damit deine Mutter nicht störst, solange du sie nicht erschreckst.., Sie ist gerade im Garten bei den Sonnenblumen.“

A: „Kann ich wirklich alles machen? Solange ich damit die Mutter im Garten nicht störe oder erschrecke?“

O: „Du kannst wirklich alles machen unter dem blauen Himmel.“

A: „Ah, da sind wir wieder bei deinem Thema: Himmel… ich weiß, der Allmächtige sieht mich, überall, was ich mache…“

O: „So ist es.“

A: „Aber was habe ich jetzt davon?“

O: „Davon hast du jetzt alles. Aber du meintest wahrscheinlich: Was habe ich von ihm, was mir wirklich zur Verfügung steht? Du meinst, Adam: Was wir dir nicht aus der Hand nehmen würden? Du fragst nach deiner eigenen Zeit, deinem eigenen Raum, deinen Ideen und Wünschen, deinem Abenteuer da draußen beim Teich mit Fischen, nach deinem Geld zur Kirmst und schließlich nach deinem eigenen Computer, den du mit niemandem anderen teilen müsstest. Stimmt's?“

A.: „Also wieder eingeschränkt. Das habe ich mir schon gedacht.“

O.: „Du selber stellst dir das eingeschränkt vor. Ich schränke dich ein, deine Mutter, die Cousins Matouš und David werden dich ab morgen auch einschränken. Dabei wirst du nie wieder so frei sein wie heute, wie gerade jetzt…“

A: „Wie meinst du das? Natürlich werde ich frei sein, sobald ich groß werde. Ach, wenn es schon jetzt wäre.. Wenn man groß ist, kann man endlich alles“

O: „Das glaubst nur du. Je älter man wird, desto mehr Sorgen hat man, auch Angst und schlechtes Gewissen, und man ist wie auf der Jagd.. vor allem von sich selber gejagt, fühlt man sich. Du selber wirst dir dein eigener Feind und Einschränker… jetzt hast du in dir noch so viel Ruhe, außer der Langeweile und dem Trotz und der Ungeduld offensichtlich. Später kommen auch noch die Angst und das schlechte Gewissen und die Sorgen dazu, lauter Sorgen. Ach…“

A: „Na toll… Also Oma, du kannst einen wirklich gut einstimmen.“

O: „Dadurch, dass du mich nie zu Ende ausreden lässt, kommst du nicht wirklich weiter, Adam.“

A: „Wo sind wir also stecken geblieben?

O: „ich habe dir gesagt, dass du bei Gott reich bist, aber du ließest dich damit nicht zufrieden stellen… Und das ist kein Aufruf zur Bescheidenheit sondern, es ist ein Aufruf zur Ruhe, die dir offensichtlich die ganze Zeit, die du bei mir am Bett weiltest, fehlte.“

A: „Ruhe…also…Und wieso du so ruhig bist?

O: „Weil ich von Gott lauter Geschenke habe, die du, Adam, nicht schätzt… Bleib doch hier. Ich habe die Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tode und das ewige Leben… Und dazu noch den neuen Anfang des ganzen Lebens vor mir - ohne Einschränkungen.. und mit Wiedergabe dessen, was man hier verloren hat…, das Leben mit Belohnungen, die man auf Grund seiner Dankbarkeit hier auf der Erde verdient hat… auf Grund der wertvollen Dankbarkeit schon hier auf der Erde.“

A: „Toll… das kann ich mir nicht merken. Die Reihenfolge war bestimmt wichtig, aber dass ich sie vergesse, zumindest dass ich vergesse, all diese Gaben aufzuzählen, darauf kannst du dich verlassen…?“

O: „Darauf kann ich mich verlassen. Jeder vergisst sie irgendwann mal. Selbst der Frommste. Aber man ist nicht davon abhängig, was man vergisst oder nicht vergisst. Gott gibt und beschenkt und findet wieder. Auch mich hat er wieder gefunden und die Reihenfolge – den Weg - gezeigt, und vor allem die Gaben.“

A: „Damit ich etwas ruhiger werde, sag mir das lieber noch mal.“

O: „Man bekommt zuerst die Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und dann das ewige Leben - lauter Geschenke von seinem Schöpfer, die wunderbar, schön und köstlich sind und dann ist man nach der Reue dankbar. Wenn man alles empfängt, dann ist man wirklich reich. Und die Dankbarkeit gleicht die vergangene Reue davor aus. Erst dann kann man hier etwas gewinnen und schaffen und selber erfolgreich sein im wahrsten Sinne des Wortes.. und am Ende belohnt werden. Und wenn man dabei bleibt, verliert man hier nichts, man erfährt etwas. Nur aus reiner Gnade Gottes sind wir in der Dankbarkeit geborgen. Sie ist nicht erzwungen, sondern sie kommt vom reinen Herzen und lässt alles durch Liebe und Wonne sehen und den Geber dessen lässt sie loben.“

So stelle ich mir das im Nachhinein vor. Meine Oma war aber damals zu alt, um mir das alles erzählen zu können, und ich war zu klein um dumm, um das zu verstehen. Aber ich glaube, heute könnten wir uns ganz toll unterhalten, wenn sie noch hier bei uns wäre.

Uns allen bleibt in Geltung – so wie er der Oma damals blieb – der beruhigende Aufruf aus dem Matthäusevangelium als unser Testament:

„Sammelt euch also Schätze im Himmel. Wo euer Schatz ist, da ist auch Euer Herz.“ (Mt 6,20)

Pfarrer Adam Balcar

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