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Orgelvesper „Unsere Komponisten“

Bevor wir uns zum gemeinsamen Gottesdienst des Schwesternkirchen am 4. Juli auf dem Pfarrberg treffen, sind weitere Veranstaltungen in den Kirchgemeinden geplant, damit es schon im Vorfeld die Gelegenheit gibt, sich zu begegnen und kennenzulernen.

Den Auftakt dieser gemeinsamen Woche bildet eine Orgelvesper am 27.06.2021 um 17 Uhr in der Kirche Niederoderwitz, die von Kantor Michael Tittmann gestaltet wird. In dieser Orgelvesper werden die musikalischen Schätze unserer Kirchgemeinden gehoben, indem Werke von Komponisten aus unseren Orten zu hören sein werden, die teils weit über unsere Region hinaus Bekanntheit erlangt haben.

So erklingen auf der Niederoderwitzer Orgel:

  • Friedrich Schneider – Sonate G-Dur op. 76 (Allegro con brio – Scherzo – Rondo)
  • Hermann Wenzel – Sommerlied op. 201, Alpenglühn op. 78
  • Richard Schiffner – Kanonische Toccata und Hymnus op. 22
  • Gustav Merkel – Orgel-Sonate Nr. 1, d-moll op. 30 (Allegro moderato - Adagio - Marsch)

Friedrich Schneider (1786–1853) – aus Waltersdorf

Johann Christian Friedrich Schneider wurde als erster von drei Söhnen des Schullehrers und Organisten Johann Gottlob Schneider am 03.01.1786 in Waltersdorf geboren, bei dem er auch ersten allgemeinbildenden Unterricht und Unterweisung im Instrumentalspiel erhielt. Bereits während seiner Zeit am Zittauer Gymnasium, das er seit 1798 besuchte, entfaltete er bemerkenswerte kompositorische Begabung.

1805 nahm er in Leipzig das Studium der „Humaniora“ auf. Binnen kurzer Zeit bekleidete er eine Vielzahl musikalischer Ämter und Funktionen – u.a. war er ab 1810 Musikdirektor der Sekonda'schen Operngesellschaft, wurde 1813 Organist an der Thomaskirche, übernahm 1816 die Leitung der Singakademie und war seit 1817 als Musikdirektor des Stadttheaters tätig. Als Solist der ersten glanzvollen Aufführung von Beethovens 5. Klavierkonzert im Leipziger Gewandhaus 1811 bewies er seine Fähigkeiten als Konzertpianist. Der unerwartete Erfolg seines zweiten Oratoriums „Das Weltgericht“, das am 06.03.1820 im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt wurde, brachte seinen kompositorischen Durchbruch. Er begründete damit seinen Ruf als Komponist, Hofkapellmeister, Dirigent, Pianist, Organist, Pädagoge und Organisator zahlreicher Musikfestspiele. 1820 wurde er Herzoglicher Hofkapellmeister in Dessau. Bereits ab 1822 veranstaltete er regelmäßige Abonnementkonzerte, gründete eine Singakademie und rief zusammen mit dem Dichter Wilhelm Müller die „Dessauer Liedertafel“ ins Leben.

Gustav Adolf Merkel (1827–1885) – aus Oberoderwitz

Gustav Adolf Merkel wurde am 12.11.1827 als Sohn eines Lehrers und Organisten in Oberoderwitz geboren. 1858 wurde er Organist an der Dresdner Waisenhauskirche und 1860 an der Kreuzkirche. 1864 wurde er zusätzlich Hoforganist an der Katholischen Hofkirche in Dresden. Ab 1861 war er Lehrer am Königlichen Konservatorium für Musik. Von 1867 bis 1873 war er Dirigent der Dreyssigschen Singakademie. Gustav Merkel war nicht nur ein hervorragender Orgelspieler, sondern auch ein im Kontrapunkt hervorragender und auf gute Klangwirkungen bedachter Komponist. In der Tradition Johann Sebastian Bachs stehend orientierte sich Merkel formal und harmonisch an barocken und zeitgenössischen Vorbildern, die er im Orgelsatz mustergültig zu integrieren verstand. Er hinterlässt ein umfangreiches Orgelwerk, das zu seinen Lebzeiten zu den meistgespielten Deutschlands gehörte. Gustav Merkel starb am 30.10.1885 in Dresden.

Hermann Wenzel (1863–1944) – aus Großschönau

Hermann Richard Wenzel wurde am 16.12.1863 als Sohn des Damastwebers und Laienmusikers Carl Gottfried Wenzel in Großschönau geboren. Der Kantor seines Heimatortes erkannte diese Begabung und erteilte ihm Unterricht in Kontrapunkt und Orgelspiel. Bald konnte er seinen Lehrer an der Orgel vertreten. Aus finanziellen Gründen war es ihm erst mit 21 Jahren möglich, ein Studium der Musik zu beginnen. Er trat in das Dresdner Konservatorium ein. Dort erhielt er eine gründliche Ausbildung im Klavier- und Violinspiel, in Gesang, Harmonielehre und Komposition, letztere bei Felix Draeseke. Nach dem Studium kehrte er 1887 in seinen Heimatort zurück und ließ sich als freier Musiklehrer, Chorleiter und Komponist nieder. Am 17.04.1913 wurde ihm durch den sächsischen König Friedrich August III. der Titel „königlicher Musikdirektor“ verliehen. Hermann Wenzel starb nach einem Gehirnschlag am 17.06.1944 in Großschönau. Sein Geburts- und Wohnhaus in der Oberen Mandaustraße, das er mit seiner Ehefrau Minna Paulina bewohnte, besteht bis heute. Seine komponierten Salonstücke, Tänze und Märsche erzielten große Erfolge, er schrieb selbst eine Klavier- und eine Harmoniumschule. Seine Werke fanden weltweit große Verbreitung und erfreuten sich großer Beliebtheit. Durch gesellschaftliche Veränderungen nach dem Ersten und vor allem Zweiten Weltkrieg geriet sein Schaffen in Vergessenheit.

Richard Schiffner (1889–1976) – aus Großschönau

Richard Schiffner wurde am 12.08.1889 in Großschönau geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Großschönau ermöglichten ihm seine Eltern 1904 den Eintritt in das Lehrerseminar in Löbau. Den ersten Klavierunterricht erteilte ihm der Königliche Musikdirektor Hermann Wenzel. Nach Abschluss der Ausbildung am Lehrerseminar Löbau war Schiffner kurzzeitig als Lehrer in verschiedenen Orten der Oberlausitz tätig. 1913 unterbrach er seine Tätigkeit als Lehrer, um am Landeskonservatorium zu Leipzig das Studium der Musik in den Fächern Orgel- und Klavierspiel sowie Komposition aufzunehmen. Sein Lehrer war u.a. der Thomasorganist Prof. Dr. Karl Straube, der „deutsche Organistenmacher des 20. Jahrhunderts“. Während des Studiums in Leipzig festigten sich freundschaftliche Verbindungen zu Kommilitonen und Kollegen seines Fachs, zum Beispiel zum späteren Kreuzkantor Prof. Rudolf Mauersberger oder dem Komponisten Paul Geilsdorf. 1934 kehrte er dann nach Großschönau zurück. Der Krieg und der Untergang des Dritten Reiches hatten massive Auswirkungen auf sein persönliches Leben; Beschränkungen und Entbehrungen traten ein, und nach seiner Entlassung aus dem Schuldienst 1945 verschärfte sich seine wirtschaftliche Lage. In Selbstlosigkeit und Bescheidenheit versah er seinen Dienst als Kantor der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Großschönau bis ins hohe Alter von 81 Jahren. Richard Schiffner starb im Februar 1976 und wurde auf dem Alten Friedhof zu Großschönau beerdigt. Typisch für Schiffners Orgelspiel waren der häufige Gebrauch der Walze und des Schwellers, raffinierte Manualwechsel und vielfältige Klangschattierungen. Er komponierte eher klassizistisch, in der Reger-Nachfolge, und hatte eine Vorliebe für strenge Linearität und anspruchsvolle Formen von Kanon und Fuge. Seine Orgelwerke sind nicht leicht zu spielen – und zu hören. Der Hörgewinn erschöpft sich nicht allein in der einfachen akustischen Wahrnehmung, sondern interessant ist dabei gleichzeitig die Verfolgung der inneren Struktur und Ordnung.

Quellen: Wikipedia, Dr. Otto Depenheuer, Gerd Brandler

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