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„Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“
2. Mose 15,2

In einem Tauflied heißt es: „Kind, du bist uns anvertraut, wozu wollen wir dich bringen, welche Wege wirst du gehen, welche Lieder wirst du singen?“

Wovon kannst du ein Lied singen?

Uta und Heike, zwei ehemalige Schulfreundinnen treffen sich unverhofft in der Landeshauptstadt. Nach der Schulzeit trennten sich ihre Wege und sie hörten immer seltener und weniger von einander. Nun, nach mehr als dreißig Jahren, stehen sie plötzlich voreinander. Die Überraschung ist groß, die Freude auch. Und so nehmen sie sich Zeit füreinander im nahegelegenem Cafe. In der ersten Viertelstunde werden die aktuellen Zustandsberichte ausgetauscht. Doch nach und nach stellt sich die alte Vertrautheit ein und es kommen auch die Lebensscherben zur Sprache.

Bei beiden Frauen hat das Leben auch schmerzende Narben hinterlassen. Uta ist belastet mit gesundheitlichen Einschränkungen und sagt, von Leid und Schmerz kann sie ein Lied singen. Bei Heike sind es familiäre Sorgen, die ihr den Schlaf rauben und da wiederum kann sie ein Lied davon singen.

Als Martin Luther den Entschluss fasste, ins Kloster zu gehen, verkaufte er mit seiner gesamte Habe auch seine Laute. Es war selbstverständlich für ihn, dem irdischen Glück den Rücken zu kehren und somit auch auf die Musik zu verzichten. Als Luther dann später die Freiheit eines Christenmenschen und den gnädigen Gott für sich erkannte, bekamen auch Musik und Gesang wieder einen festen Platz in seinem Leben. Ja, noch mehr! Er machte sie zum zentralen Medium des evangelischen Glaubens. Er schrieb:

„Gott hat uns Herz und Mut fröhlich gemacht durch seinen lieben Sohn, welchen er für uns gegeben hat zur Erlösung von Sünde, Tod und Teufel. Wer das ernsthaft glaubt, der muss mit Lust davon singen und sagen, damit es auch andere hören und verstehen.“

Früh schon, das heißt 1523, rief Luther dazu auf, gottesdienstliche Lieder zu schaffen. Die Gemeinde sollte: „möglichst einfache und gebräuchliche, freilich reine und passende Worte singen“. Die Lieder sollten pädagogisches Mittel sein, aber auch ein wichtiger Schritt zur Emanzipation der Gemeinde. Jeder konnte nun auf deutsch mitsingen.

Luther schrieb Lieder und komponierte Melodien, die wir bis heute in unseren Gesangsbüchern finden. Dabei war er sich durchaus darüber bewusst, kein großer Dichter oder Komponist zu sein, sondern „Gebrauchskunst“ zu schaffen. In schweren Zeiten, im Zwiespalt und auch im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik halfen ihm Lieder zur fröhlichen Selbstvergewisserung und wurden zur Kraftquelle.

Die Israeliten sangen: „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden“, als sie trocken das Schilfmeer durchschritten hatten und den Ägyptern somit entkamen. Es war ein Siegeslied. Zuvor aber in Zweifel, Angst und Resignation halfen den Israeliten ansteckende Mutmachlieder. So, wie wir es von Mirjam kennen, die beim Durchqueren des Schilfmeeres tanzend und Pauke schlagend vor den Frauen herzog. In unseren Gottesdiensten brauchen wir beides. die Aufbruch- und Mutmachlieder, wie auch die Dankes- und Lobpreislieder.

Ob Heike und Uta auch über Erfahrungen mit Gott gesprochen haben? Es wäre ihnen zu wünschen, denn leider erscheint die Hemmschwelle davor oft unüberwindbar. In unserem Tauflied heißt es unter anderem weiter: „Freunde wollen wir dir sein, sollst des Friedens Brücken bauen. Denke nicht, du bist allein, kannst der Macht der Liebe trauen… taufen dich in Christi Namen, er ist unsre Hoffnung. Amen.“

Monika Günther

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